JAY-Profi-Tipp von Alexander von Hagke (Dozent für Holzbläser)

"Das Fitnessprogramm für Eure Musikalität"

Vorwort: Es geht um musikalische Fähigkeiten

In diesem Workshop möchte ich einige grundlegende Themen ansprechen, die alle Blasmusiker betreffen: Es geht um musikalische Fähigkeiten. Gute Musiker unterscheiden sich von weniger fortgeschrittenen (ich vermeide die Begriffe Profi/Amateur hier bewusst, da es auch im Amateurbereich tolle Musiker gibt!) nicht nur durch bessere Fähigkeiten auf dem Instrument (z.B. Technik und Ton). Hinzu kommen weniger greifbare Dinge wie Gehör, Rhythmusgefühl, stilistische Kenntnisse und einiges mehr. Viele Leute glauben nun, dass die instrumentalen Fähigkeiten viel geübt werden müssen, und der Rest entwickelt sich dann über die Erfahrung. Dies stimmt zum Teil, aber wir können hier nachhelfen! Ich habe hier einige etwas ungewöhnlich wirkende Übungen zusammengestellt, die aber wirklich dazu beitragen, Wahrnehmung und Gespür von und für Musik zu verbessern.

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Stilistik

Fangen wir mit Stilistik und Geschmack an. Jeder Musiker sollte sich über Aufnahmen (und Konzertbesuche) mit seinem Instrument befassen. Besorgt Euch Aufnahmen aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen von Solisten auf Eurem Instrument, z.B. Konzerte und Kammermusik aus Barock, Klassik, Romantik, modernerer klassischer Musik, frühem und modernerem Jazz, auch Rock/Pop/Soul, und was Euch noch Freude macht. Hört diese Aufnahmen „rauf und runter“ und versucht, alles aufzusaugen. Vieles speichern wir automatisch unterbewusst. Versucht aber auch, auf die Details zu hören: Wie ist der Ton des Musikers beschaffen (hell, dunkel, voll, warm, schneidend, zart, aufdringlich)? Wie klingen Artikulation und Vibrato? Was gefällt Euch jeweils, und was nicht? Ahmt das Gehörte auf Eurem Instrument nach.

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Rhythmustraining

Beim Anhören von Musik kann man auch wunderbar sein Rhythmusgefühl und sein Gehör trainieren. Dies kann auch „nebenbei“ geschehen, z.B. in der Straßenbahn oder beim Geschirrspülen. Prima eignet sich hierfür nach meiner Ansicht Popmusik, da sie in der Regel nicht zu vielschichtig ist und dennoch alle wichtigen Elemente enthält. Fangen wir mit der Rhythmik an: Zunächst sollten wir herausfinden, in welcher Taktart das Stück gespielt wird. Meistens ist dies ein 4/4-, oft auch ein 3/4-Takt. Vereinzelt gibt es auch andere Taktarten (z.B. öfter mal bei Sting). Am einfachsten erreicht man dies durch simples Mitzählen. An manchen Stellen werden oft auch einzelne 2/4-Takte eingebaut oder ähnliche Spielereien vollzogen- dies fällt bei oberflächlichem Hören meistens gar nicht auf.

Haben wir die Taktart herausgefunden, so können wir uns mit den Unterteilungen beschäftigen: Jede Viertelnote eines Stücks wird in Achtel, Triolen oder Sechzehntel unterteilt. Obwohl der Rhythmus der Melodie sehr variantenreich sein kann, geht die Unterteilung der Viertelnoten in der Rhythmusgruppe (Bass, Schlagzeug, etc.) einheitlich durch. Dies nennt man das Grundfeeling eines Stücks. Versucht herauszufinden, ob ein Stück achtel-, triolen- oder sechzehntelbasiert ist! Am besten singt man dazu ein paar Achtel etc. mit, dann merkt man, ob es passt.

Nun kann man sich selbst kurze Rhythmen ausdenken, die zum Stück passen, und versuchen, sich klarzumachen, wo die einzelnen Schläge zeitlich genau hingehören. Dies wird umso schwieriger, je komplexer die rhythmischen Phrasen werden. Abhängig von Stück und Tempo kann schon das präzise Klopfen einer „2 und“ recht schwierig sein! Noch interessanter wird es, wenn wir einzelne Sechzehntel-Akzente betrachten.

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Beispiele

Hier einige Beispiele für Achtel- und Sechzehntelrhythmen- natürlich funktionieren sie nicht gleich gut in jedem Tempo!

Versucht, Stücke zu finden, zu denen diese Rhythmen dazupassen, und singt (klopft) sie mit. Denkt Euch dann eigene Variationen aus.

Letzte Rhythmusübung: Singt die Melodie (oder eine einzelne Instrumentallinie) mit und versucht herauszufinden, auf welchen Zählzeiten sie beginnt und endet.

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Melodien singen und spielen

Ebenso kann man sein melodisches Gehör trainieren: Singt die Melodie mit und bemüht Euch, die Töne sauber zu treffen. Versucht Euch nun vorzustellen, welche Tonsprünge (Intervalle) in der Melodie vorkommen. Dies ist oftmals ziemlich schwierig! Aber bitte nicht entmutigen lassen, hier ist der Weg das Ziel. Idealerweise übt man dies auch gelegentlich mit dem Instrument: Einfach das Radio anschalten und nach Gehör mitspielen! Auch wenn nur einige richtige Töne gelingen, ist dies ein tolles Training, und es macht auch viel Spaß! Es kommt hier nicht auf ein fehlerfreies Spiel an, sondern auf die Beschäftigung mit Instrument und Gehör ohne Noten.

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Das harmonische Hören

Zu guter Letzt kommt das harmonische Hören - dies ist sicherlich etwas für Fortgeschrittene, aber dennoch kann man frühzeitig damit beginnen. Wichtige Fragen sind hierbei: Steht das Stück in Dur oder Moll? Welche Bewegungen macht der Bass? Kann man einzelne Akkordverbindungen heraushören? Hierbei helfen übrigens auch zum Teil Kenntnisse in Musiktheorie, einen Blick in ein Buch kann man auch mal riskieren.

Ihr werdet schnell merken, dass diese Übungen Eure musikalische Wahrnehmung verändern. Es heißt hier nur dranbleiben! Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht Euch Euer

Alexander von Hagke

Infos:
www.alexandervonhagke.com

Alexander von Hagke konzertiert mit verschiedenen Top Acts (z.B. Panzerballett) und mit seinem eigenen Ensemble auf Festivals in Europa, den USA und Asien. Er ist ebenfalls gefragter Musiker bei CD-, Funk- und Fernsehproduktionen. Er studierte Saxophon und Klarinette in New York und München. Alexander von Hagke spielt Saxophone der Jupiter Artist Series XO.

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"Das Fitnessprogramm für die Musikalität" als PDF

Das_Fitnessprogramm.pdf

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