JAY-Profi-Tipp von Günther J. Schmitz (Dozent für Querflöte)

"Gezielter Fortschritt bei der Tonbildung"

Vorwort: ...das Ziel eines Flötisten

Das Ziel eines jeden ernsthaften Flötisten ist wohl ein sauberer, tragfähiger, klangfarbenreicher und dynamisch flexibler Ton in allen Lagen. Und wenn dann noch eine satte und kräftige tiefe Lage zum Repertoire gehört dann ist man klanglich mit allem gewappnet und kann sich getrost solistisch aufs Podium trauen.
Dass man hierfür nicht einfach nur stundenlang lange Töne aushält und darauf hofft dass dadurch alles sich “entwickelt” sondern dass man mit ein paar Tipps und praxisnahen Übungen wesentlich schneller zum Ziel kommt möchte ich hier aufzeigen. Um einen sauberen kräftigen Ton in allen Lagen zu erzielen kommt es nämlich darauf an, möglichst wenig Luft einzusetzen, die aber möglichst genau an die richtige Stelle zu blasen bzw in die richtige Richtung und mit möglichst viel Resonanz zu unterstützen.
Dazu müssen wir uns nun 3 Dinge bewusst machen, die uns helfen werden einmal den Luftverbrauch zu verringern und zum anderen den Resonanzraum zu vergrössern.

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Die "Atemstütze" - Kontrolle von unten

Man könnte es auch Atemkontrolle nennen, wird von jedem anders erklärt und hat auch im Laufe der Jahre einen enormen Wandel durchlaufen. Dabei kann man es doch so einfach erklären: Man stelle sich vor man geht aus dem Haus und sieht eine/n Freund/in die Strasse runterlaufen, möchte hinterher rufen und holt ganz tief Luft für einen lauten Schrei und in dem Moment wo man den Mund aufmacht bleibt plötzlich die Zeit stehen.
Um so eine Situation zu spielen muss man nach dem Einatmen so stehen bleiben, also mit offenem Mund, Hals auch weit offen, bereit zum Schrei und mit der Atemmuskulatur angespannt. Aber nun wollen wir ja den Atem kontrollieren lernen, also beim Ausatmen nicht einfach alles entspannen und die Luft dadurch entfahren lassen, sondern eben LANGSAM entspannen und damit eben die Luft DOSIEREN. Also geht es darum, den Vorgang des Entspannens, also des Ausatmens, weit in die Länge zu ziehen. Dabei ist es nur von sekundärer Bedeutung ob der Vorgang des Einatmens mehr im Bauch oder im Brustkorb geschieht. Man weiss ja heute dass es verschiedene Atemtypen gibt, die entweder mehr Bauch- oder mehr Brustatmung bevorzugen. Ein Maximum an Atemvolumen kann man auch nur erzielen wenn man beides zusammen einsetzt.


Damit beim Ausatmen/Flöte spielen die Luft jedoch nicht an der falschen Stelle gebremst wird ist es wichtig, immer im Hals und im Mundraum weit offen zu sein. Das sorgt dafür dass das Zwerchfell seine Arbeit richtig macht und der dadurch gebildete Hohlraum gibt dem Flötenton eine nicht zu unterschätzende Resonanz.

 

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Der Mund-Innenraum - Resonanz-Training

Genau wie ein Opernsänger muss der Flötist alles an
Hohlraum aufbieten was verfügbar ist im Kopf-, Hals- und Brustbereich, um den Ton groß und tragfähig zu machen.

Die als “Gähnstellung” bezeichnete Öffnung des Hals- und Kehlenbereichs, das Tieflegen des hinteren Zungenendes, das Öffnen des Raumes zwischen den Kiefern geht aus der Abbildung schon anschaulich hervor und bewirken eine deutliche Verstärkung der unteren Klanganteile, vorwiegend der Grundschwingung des Flötentons. Durch die Nutzung der Nasalhöhlen erzielt man eine Verstärkung der Obertöne und erhält dadurch mehr Brillanz.

Was dafür getan werden muss kann man dann erkennen wenn man ein normales deutsches “o” quasi in  einem Legato in ein französisch nasal ausgesprochenes “on” übergehen lässt (wie am Ende von “Toulon” oder “Dijon”). Damit kann man dann bewusst das Gaumensegel hoch nehmen und die Nasalhöhlen zum Resonanzsysten hinzu schalten.

 

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Das Lippenloch - Steuerung von Tonhöhe und Klangfarbe

Ausserdem spielen wir Flöte, nicht etwa Trompete, Klarinette oder Saxophon wo man die Luft gegen einen starken Widerstand ins Mundstück pressen muss. Nein wir blasen die Luft sogar erst mal ins Freie bevor sie auf die Flöte trifft. Ein Anfänger, der noch kein sehr kleines Lippenloch bilden kann wird dadurch gar keinen solchen Anblaswiderstand spüren und dementsprechend viel Luft verbrauchen, die ja dann viel unerwünschtes Rauschen erzeugt.
Wir müssen nun also, um zu einem sauberen Ton zu kommen, die Luftabgabe stark verringern, etwa um die Hälfte oder mehr, gleichzeitig diese verringerte Luftmenge aber durch ein sehr kleines Lippenloch schicken, um eine hohe Strömungsgeschwindigkeit zu erreichen die es uns ermöglicht, hohe Töne auch leise zu spielen.
Also müssen wir auch daran arbeiten dass wir ein sehr kleines Lippenloch bilden können und dazu brauchen wir Kraft, die wir am besten trainieren können indem wir täglich die Töne der 3. Oktave spielen bis hoch zum C4, als lang ausgehaltenen Töne und auch artikuliert mit Zungenstößen.

 

Die beste Übung um dann all diese Theorie in die Tat umzusetzen ist meine Triller-Tonübung, bei der der schnelle Tonwechsel zwischen Ais2 und H2 (siehe Griffbild oben) das Gefühl eines “Anblaswiderstands” vermittelt, anhand dessen dann der Luftverbrauch minimiert und der resonanzbildende Mundhohlraum maximiert werden können um mit möglichst wenig Luft eine sehr grosse “Klangausbeute” zu erzielen. Um den Triller in der mittleren Oktave sicher zu halten, muss man ein sehr kleines Ansatzloch sehr weit vorne bilden und die Luft auf sehr geringe Abgabe dosieren wie für einen leisen Ton. Und dann kann man daran gehen, die vorher beschriebenen Resonanzräume so weit es geht zu öffnen.
Das Resultat ist ein glasklarer, offener, großer Ton, bei dem statt Nebengeräusch eine deutliche Brillanz in den Obertönen zu hören ist. Ein schönes Schlüsselerlebnis bei dem man spürt wie der Klang im Mund lebt, vergrößert und moduliert werden kann.
Wenn man sich diese Dinge zu eigen gemacht hat kann man daran gehen, die Klangwelt des eigenen Flötenspiels weiter zu verfeinern. Als Ausgangsbasis hat man täglich einen sauberen, modulierfähigen Ton nachdem man sich mit der Triller-Übung eingespielt hat.

Viel Erfolg!

 

 

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