Mike Rafalczyk

Professionell(er) Posaune spielen - Teil 2


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  1. Alternative Zugpositionen
  2. Lippenflexibiltät
  3. Artikulation und Phrasierung

Tipps für Posaunisten

Liebe Posaunistin, lieber Posaunist,

im letzten Bericht (33) habe ich Dir allgemeine Vorraussetzungen für das professionelle Posaunespielen beschrieben. In diesem Bericht werde ich Dir mehr über die optimale Spielweise berichten. Hierbei spielen die besten Zugpositionen eine große Rolle.

- Der Schnellzug, oder: alternative Zugpositionen

Eines vorweg, ein sehr wichtiger

Tipp 1:
Die Töne unserer Naturtonreihe (Bb-F-Bb-D-F-Ab...) stimmen nicht alle! 

Das hohe "F" ist- bei Position 1 (Zug bis zum Anschlag eingezogen) zu hoch, das "Ab" ist einiges zu tief!

Spielen wir z.B. die kleine Terz "D-F", muss der Zug beim "F" 2-3 mm weiter ausgezogen werden. Achtung! Das gilt natürlich für alle Positionen, die sich von diesem Naturton ableiten, z.B. "C-Eb"! Das "Ab" (= G#) ist so tief, dass wir es besser grundsätzlich auf dem 3. Platz spielen. Also muss das "G" höher gezogen werden, als der übliche, 2. Platz.

Wir können uns das Spielen in der hohen Lage erheblich erleichtern, indem wir an vielen Stellen alternative Zugpositionen verwenden. Zum Beispiel die Tonreihenfolge "Bb-C-D-Eb-F":

 

 

Zupositionen Posaune
Zupositionen Posaune

Alternative Zugpositionen auf der Posaune

Normalerweise würde man dafür die Positionen "1-3-1-3-1" verwenden. Das sind relativ weite Wege und viele Hin- und Her- Bewegungen. Viel leichter und schneller geht es mit "1-3-4-3-4". Analysiere die folgenden Beispiele und trage die alternativen Zugpositionen ein:

Altenative Zugpositionen auf der Posaune

Lippenflexibilität

Wir haben schon festgestellt, dass die Posaune ein etwas schwerfälliges Instrument ist. Wenn wir uns anschauen, in welch atemberaubenden Tempo ein Saxophonist Tonleitern spielen kann, wird uns das schmerzlich bewusst. Umso wichtiger wird- nach den Zugübungen- die Lippenflexibilität. Das sind keine neuen Ansätze. Das härteste, aber effektivste "Bodybuilding" , bzw. "Workout" für die Lippen stammt in der ersten Auflage von "19hundertirgendwas", ich meine so ca. 1914! 

Mein Literatur-TIPP: Ernst Gaetke: Tägliche Zungen- und Lippenübungen, Verlag: Zimmermann, Frankfurt 

Ganz wichtig dabei: alle Übungen langsam beginnen und das Tempo erst allmählich steigern!

Lippen- und Zungenübungen nach Gaetke
Lippen- und Zungenübungen nach Gaetke

Artikulation und Phrasierung auf der Posaune

Damit wir unser Instrument so beherrschen, dass ES macht was WIR wollen- und nicht umgekehrt, müssen wir genau dasselbe üben, wie alle anderen Musiker auch (nur Schlagzeuger nicht ;-): Tonleitern und Arpeggien (Akkorde, deren Töne nacheinander gespielt werden. Von italienisch: "arpa" = Harfe). Im Idealfall wirklich ALLE! Denn alle Melodien bestehen aus- mehr oder weniger langen- Tonleiterabschnitten und Arpeggien. Nur so machen wir das Posaunenrohr zu unserem Sprachrohr. 


Portato und Vibrato

Sehr oft höre ich Blechbläser, die jeden, aber auch wirklich jeden Ton leise beginnen und dann anschwellen lassen (portato). Das mag manch Eine/r als schön empfinden- professionell ist das nicht. Denn das Portato ist ein Effekt, der wie alle Effekte gezielt eingesetzt werden will, wenn seine Wirkung nicht verpuffen soll. 

Tipp 2: Achte auf die Artikulations-Effekte bitte nur da, wo sie erwünscht sind. 

Ein anderer, weit verbreiteter Fehler ist der unkontrollierte Einsatz von Vibrato. Auf der Posaune können wir zwei verschiedene Arten von Vibrato erzeugen, von denen eine streng genommen kein Vibrato ist, sondern ein Tremolo. Das Vibrato ist eine periodisch wiederkehrende, minimale Tonhöhenänderung, wie wir sie durch schnelle Hin- und Her- Bewegung des Posaunenzuges erreichen. Der verwandte Effekt ist die periodische Lautstärkenänderung, die oft als Vibrato bezeichnet wird, in Wirklichkeit aber ein Tremolo ist. Diesen Effekt erreichen wir z.B. durch Auf- und Ab- Bewegungen des Kiefers oder der Lippen. 

Arpeggio Übung auf der Posaune
Arpeggio Übung auf der Posaune

Zusammenfassung

Tipp 3: Höre Posaunisten und anderen Instrumentalisten zu. Achte auf Effekte! 

Das alles ersetzt noch kein Musikstudium, aber es wird Dir wieder begegnen, falls Du Posaune studierst. Falls nicht, habe ich Dir hoffentlich ein paar Anregungen gegeben, Dir über Dein Spiel bewusster zu werden. 

Ich wünsche Dir viel Freude und Erfolg auf Deinem Weg zum professionelleren Posaunenspiel!

Mike Rafalczyk




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