Intonation üben - Alleine & in der Gruppe

Einleitung

Ich behaupte- als Bläser haben wir es mit der Intonation besonders schwer!
Das kann doch nicht sein, werden uns alle Streicher entgegenhalten- ihr habt Klappen, welche die Tonhöhe fixieren und wir müssen den Finger 100% genau aufsetzen, damit die Note stimmt.
Ja einerseits-  aber: die von den Klappen vorgegebene Skala ist ja nur ein Annäherungswert, etliche Töne fallen heraus (sind zu tief oder zu hoch, wenn wir sie nicht korrigieren), wir haben keine leeren Saiten, an denen wir uns orientieren können,  jeder Ton schwankt ganz stark, wenn wir ihn laut oder leise spielen wollen und  wir sind abhängig von der Raumtemperatur und der Temperatur des Instrumentes. Also müssen wir diesen Problemen zu Leibe rücken und eine Systematik in unsere Beschäftigung mit der Intonation hineinbringen. Bevor wir loslegen, kontrolliere, ob der Kork im Kopfstück an der richtigen Stelle sitzt!

Erster Schritt

Nun sollten wir uns als Erstes darum kümmern in einer gleichbleibenden mittleren Lautstärke die Skala unseres Instrumentes zum Stimmen zu bringen. Da unser Körper in Wirklichkeit ein Teil des Instrumentes ist, müssen wir uns dieser Aufgabe mit großer Geduld widmen.
Wir wählen mf -ohne Vibrato!!!

Wo anfangen?
Am besten bei jenen Tönen, die am wenigsten Flexibilität aufweisen und gerne zu tief sind, also:
E', D', e" und d'''.
Du drehst Dein Stimmgerät auf, schaust aber nicht hin- dann suchst Du Dir Deinen schönsten Klang im tiefen Register- so wie Du auch in einem Stück klingen möchtest. Wenn Du mit Deinem tiefen E und D klanglich zufrieden bist schaust Du auf das Stimmgerät und stellst fest, welche Frequenz angezeigt wird- nicht korrigieren! Jetzt ziehst Du die Flöte soweit aus oder schiebst sie zusammen, dass Dein schön klingendes E und D auf "0" steht. Die meisten Klaviere sind heutzutage auf 442 oder 443 gestimmt und bestimmt hat das Ensemble, in dem Du mitspielst einen fixierten Stimmton.

So nun haben wir also ein gut klingendes E' auf "0" - Nun spielst Du e", diese Oktave sollte jetzt stimmen. Tut sie das nicht, musst du spieltechnisch etwas ändern.

Ist e" zu tief checke folgende Parameter:
Vielleicht hast Du beim Überblasen eingedreht? Oder den Kiefer zu wenig mitbewegt? Oder die Lippen zu viel nach vorn geschoben?
Ist es zu hoch, spielst Du vielleicht überhaupt zu ausgedreht oder Du bläst zu fest hinein-
Oktavierungen spielt man nicht über erhöhten Luftdruck, sondern durch Änderung:
a) des Anblaswinkels,
b) der Lippenspalt Größe und Form und
c) der Distanz zur Anblaskante.
d) der Kiefer Position und des Mundinnenraumes- Vokal

Du musst Dich also damit beschäftigen saubere gut klingende Oktaven spielen zu können, bei gleichbleibender Dynamik. So gehst Du durch alle Oktavsprünge von e' -e" bis c"- c'''
Achtung c", cis" d" sind zu hohe Töne, Du musst den Anblaswinkel steil genug wählen, damit diese Töne stimmen. Gelingt Dir das, haben sie auch einen guten Klang! Diese Klangfarbe musst Du Dir merken, an der Farbe kannst Du Dich orientieren. Danach hältst Du gerade Töne aus: von c''' chromatisch aufwärts und mit Blick auf das Stimmgerät. Bleibe nach wie vor im mf und versuche alle Töne in eine stimmende Skala einzubetten, indem Du kleine Korrekturen mit dem Unterkiefer und der Lockerheit oder Spannung der Lippen machst.

Grundsätzlich wird ein Ton tiefer wenn:
a) wir den Kopf senken und mehr vom Anblasloch abdecken,
b) wenn wir den Kiefer öffnen und zurücknehmen ( langsamere Luft- steilerer Winkel),
c) wenn wir die Lippenspannung reduzieren.

Und bei umgekehrten Bewegungen-  höher!

Da wir immer noch im mf spielen, sollte sich das Korrigieren aber in Grenzen halten.

Zweiter Schritt

Eine Vorübung:
Wir nehmen unsere erarbeitete Grund- Skala und versuchen jeden Ton "so tief wie möglich"  bis zu "so hoch wie möglich "  in einer Sirenen Kurve zu " biegen". Auf und ab, auf und ab.
So erarbeitest Du Dir die Flexibilität, einen Ton höher oder tiefer zu machen. Du arbeitest wieder mit Kieferposition, Kopfstellung und Lippenspannung
Damit beeinflusst Du Abdeckung, Anblaswinkel und Luftgeschwindigkeit. Nicht alle Töne reagieren in gleichem Maß. Erstaunlicherweise lassen sich Töne wie a' besonders leicht biegen! Sie sind daher zum Einstimmen mit anderen Instrumenten in besonderem Maße ungeeignet! Es ist ein leichtes sie stimmend zu machen, aber was tut der Rest der Skala?
Also gehört viel Erfahrung dazu, um mit einem a' oder b' sinnvoll einzustimmen.

Die Dynamik

Jetzt wird es schwieriger:
Du stellst das Stimmgerät auf Deine gewünscht Frequenz. Zuerst checkst Du Dein mf, daraufhin spielst Du ein p und daraufhin ein f, alle sollten nun auf der gleichen Intonation stehen. Dann probierst Du es mit pp  und ff.
 
Das ist überhaupt nicht einfach und ein langer Weg bis zur Beherrschung! Wenn das pp gut klappt und das ff schrecklich hoch ist, dann hast Du Deine mf Mitte verloren und musst eigentlich ausziehen und umgekehrt.

In der Gruppe

In der Gruppe  ist nun wesentlich, dass jede Spielerin und jeder Spieler fähig ist zu korrigieren, sei es in Bezug auf die Skala, sei es in Bezug auf die Dynamik. In der Gruppe gilt grundsätzlich, dass die Bassstimme jenes Fundament ist, auf dem die Intervalle im Satz aufgebaut werden.
Übt man dies, so kann man folgendermaßen vorgehen:
1) Basston aushalten mit Stimmgerät
2) Oktav Töne hinzufügen
3) Quinttöne hinein stellen
4) Terzen hinzufügen- Durterz tief- Mollterz hoch!
5) Harmoniefremde Töne hinzufügen, falls vorhanden

Schlusswort

Eine große Hilfe für jeden:
Man stelle sich vor, dass man Chor singt und jeden Ton voraus hört, den man als nächsten singen (spielen) wird.
So kann man blitzschnell in die richtige Richtung korrigieren.
Das Intonieren wird plötzlich selbstverständlich, vorausgesetzt wir haben unsere Flexibilität erarbeitet!

Viel Erfolg!

Prof. Barbara Gisler-Haase - Intonation üben - Alleine & in der Gruppe
Prof. Barbara Gisler-Haase