Achtung Swing!

Einleitung - Swing Big Bands

Für Alle, die schon in den Big Bands von Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie, Buddy Rich, Glenn Miller gespielt haben oder aber auch in den aktuellen Big Bands der Rundfunkstationen aktiv sind, ist dieser Workshop hier schon wieder vorbei. Ihr braucht jetzt nicht mehr weiter zu lesen.

Diejenigen aber, die mit ihrem Blasorchester auch mal einen Swingtitel spielen und unzufrieden sind, weil die Nummer trotz intensiver Proben immer noch eher rumpelt als zu swingen, können sich in diesem Workshop vielleicht Anregungen holen, wie man der "amtlichen" Swingphrasierung auf die Spur kommt

Achtung Swing

Achtung Swing! - soll keine Warnung sein, sondern darauf aufmerksam machen, wie "der Swing" in unser musikalisches Leben tritt. "Swing" ist die schlichte stilistische Angabe, wie sie sich oft in den Kopfzeilen der Noten entsprechender Stücke findet. Aber ab jetzt ist alles anders als es scheint, wenn wir einen Blick in unsere Noten werfen.

Sehen

So zum Beispiel könnte eine Stimme aus dem Intro zu "New York, New York" aussehen. Wir sehen eine gleichmäßige Abfolge von viertel und achtel Noten.

Hören

Wenn man sich allerdings die Melodie im Original anhört wird man einen rhythmischen Unterschied zwischen gehörtem und geschriebenem feststellen - zwar stimmen die Viertel Noten zwischen geschriebenemn und gehörtem überein, aber mit den Achteln scheint etwas nicht zu stimmen.

Dieses scheinbare Rätsel löst eine andere Angabe, die sich alternativ, manchmal auch zusätzlich zur "Swing" Angabe in den Noten findet:

Swing Noten

Neben der Tempoangabe (63 Halbe pro Minute) stehen zwei Achtel, die einer Achteltriole entsprechen sollen, wobei die ersten zwei Teile der Achteltriole zu einer Viertel übergebunden werden. Dieses Zeichen fordert eine "Ternäre Phrasierung" für das vorliegende Stück. Die "Ternäre Phrasierung" ist das zentrale Element bei der korrekten Spielweise von Swingtiteln

Binär und Ternär

Dem Begriff "Ternär" wird der Begriff "Binär" gegenübergestellt. Diese Begriffe bezeichnen jeweils eine Form von rhythmischer Ausgestaltung, auch "Phrasierung" genannt.

Binär und Ternär sind zwei Begriffe, die Zahlenangaben enthalten:
Binär = Bi = Zwei

Binäre Noten


wie gewohnt wird eine Viertel Note in zwei gleich lange Achtel Noten unterteilt.
Wir zählen: eins - und - zwei - und - drei - und - vier - und - ....

Ternär = Ter = Drei

Ternäre Noten


bei der ternären Spielweise wir die Viertelnote in Achteltriolen unterteilt. Wir zählen also ganz gleichmäßig drei Silben pro Viertelnote:
ein - e - und - zwei - e - und - drei - e - und - vier - e - und - ...

Den Swing fühlen

Wenn über Probleme bei der Swingphrasierung gesprochen wird ist oft zu hören: "Das muss man fühlen..."
Häufig ist damit allerdings gemeint, dass "Swing" ein "Gefühl" darstellt, dass musikalisch nicht exakt fassbar ist. Solche Aussagen helfen uns bei unserer Arbeit mit Swingtiteln aber nicht weiter, außerdem gilt das für jede Form von Musik, die erst durch den künstlerischen Ausdruck, das "Gefühl", künstlerische Qualität gewinnt.


Dennoch ist das mit dem "Fühlen" nicht verkehrt. Allerdings bezieht sich das auf den ternären oder auch triolischen Grundrhythmus, das sich hinter jeder Zählzeit verbirgt. Dieses Grundgefühl muss so verinnerlicht werden, dass darüber nicht mehr nachgedacht wird und "aus dem Bauch heraus" automatisch mitläuft. Um das zu erreichen hilft natürlich:

Üben!

Dazu kann man sich z. B. hinsetzen und mit einem Metronom, das ca. 60 Viertel pro Minute schlägt, Achteltriolen mit den Händen auf die Oberschenkel klatschen. Zuerst Abwechselnd Links - Rechts, dann ganze Triolen mit Rechts und Links und schließlich der ersten zwei Schläge Rechts, der dritte Schlag links. Wenn das gut klappt, steigert Ihr einfach das Tempo.

Ternär und Swing

Nachdem also die Viertelzählzeiten in Achteltriolen aufgelöst wurden, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Swingphrasierung. Zur Erinnerung: so sah die Rhythmusangabe aus:


Die ersten beiden Achtel der Achteltriole sollen also zu einer (triolischen) Viertel zusammengebunden werden. Stellt euch einfach vor, dass die zweite Achteltriole nicht angestoßen wird, sondern die Erste ausgehalten und dann die dritte Triole wieder angestoßen wird. Auch hierzu gibt es wieder eine einfache Klatschübung. Ihr klatscht wieder mit Hilfe des Metronoms Achteltriolen mit dem Unterschied, dass die rechte Hand die erste Achtel der Triole klatscht, bei der zweiten Achtel pausiert und die dritte Achtel von der linken Hand geklatscht wird. Das kann dann als Steigerung auch alles von einer Hand gemacht werden

Als Ergebnis halten wir fest, dass die im Notenbild dargestellten Achtel unterschiedlich lang klingen und zwar im Verhältnis zwei Drittel zu ein Drittel. Die Achtel die im Notenbild auf der Zählzeit liegt ist immer die lange Achtel, die Achtel die zwischen den Zählzeiten liegt ist immer die kurze Achtel und nur halb so lang wie die "lange" Achtel

"I don't mean a Thing if it ain't got that Swing"

ist ein Titel den Duke Ellington Anfang der 1930’er Jahre in Chicago geschrieben hat und wohl das erste Musikstück mit dem konkreten Ausdruck "Swing" im Titel.

Damit auch wir den "Swing" bekommen reicht die Ternäre- oder Swingphrasierung als rhythmisches Element alleine aber nicht aus. Es fehlt uns noch die entsprechende Artikulation.

1. Die Lange Achtel wird immer breit gespielt. Sie hat kein eigenes Ende, sondern hört auf wenn der folgende Ton anfängt.

2. Der Ton nach der Kurzen Achtel wird nicht angestoßen, das heißt, die Kurze Achtel (die + - Achtel) wird weich angestoßen wie z. B. der Buchstabe "D" oder auch das "N" angestoßen würde, der nachfolgende Ton wird gebunden. Auch wenn diese Bindungen nicht notiert sind sollen sie, wenn nicht ausdrücklich anders gefordert, gespielt werden. Der Effekt ist, dass die kurzen Achtel damit so etwas wie eine Auftaktfunktion für den folgenden Ton haben. Für das richtige Swing Verständnis ist hilfreich sich vorzustellen, das die kurze Achtel zum folgenden Ton gehört: + 1 ...

3. Wenn nicht andere Anweisungen dagegen sprechen, werden Viertelnoten mit kurzem Akzent gespielt

Fine

Zum Abschluss dieses Workshops habe ich noch einmal das Beispiel vom Anfang notiert. Allerdings habe ich jetzt alle Phrasierungen und Artikulationen die in diesem Workshop angesprochen wurden ausnotiert.


 
Was Euch jetzt noch zum Swing fehlt ist: Big Band Swing hören!

Bis zum nächsten Mal

Keep on swinging (jetzt aber richtig!)

Jürgen Wieching

 

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