Richtig Atmen beim Saxophon spielen

Ausatmung und Stütze

Einleitung

Manche Saxophonisten betreiben eine wahre Materialschlacht, wenn es um die vermeintliche Verbesserung des eigenen Saxophonklanges geht: da werden immer wieder neue Mundstücke und Blätter ausprobiert, oder auch mit Blattschrauben, S-Bögen, Klangbrücken oder anderen Dingen experimentiert, die den eigenen Sound verbessern sollen. All diese Dinge mögen einen Einfluss auf den Klang und damit auch ihre Berechtigung haben, dabei wird aber leider viel zu schnell vergessen, wie wichtig es ist, die eigenen körperlichen Voraussetzungen zu trainieren und optimal einzusetzen.

Um überhaupt irgendeinen Ton auf dem Saxophon zu erzeugen, brauchen wir Luft, da wird mir natürlich niemand widersprechen. Aber erst, wenn wir in der Lage sind, diese Luft zentriert, focussiert und mit dem nötigen Druck ins Saxophon zu bringen, sind wir in der Lage, einen stabilen und auch einen strahlenden und schönen Ton zu spielen.

Die Einatmung beim Saxophon spielen

In einem früheren Workshop habe ich die Einatmung bereits ausführlich behandelt, deshalb möchte ich hier nicht mehr bis ins Detail darauf eingehen. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir uns bei der Einatmung vor allem angewöhnen sollten, tief einzuatmen und den Atemraum voll auszunutzen. Man spricht hier von einer "vollen Atmung", die man sehr schön daran erkennen kann, dass bei der Einatmung der Bauch nach vorne kommt und sich gleichzeitig der Brustkorb dehnt.

Die Ausatmung beim Saxophon spielen

Für die Ausatmung ist es wichtig, dass wir nicht einfach nur die Luft wieder "rauslassen" (also ganz normal ausatmen), sondern dass wir in der Lage sind, die Luft mit dem nötigen Druck in unser Instrument reinzublasen. Man spricht hier von der "Stütze", weil wir den Ton mit unserer Atmung regelrecht abstützen, oder man spricht auch von der "Zwerchfellstütze", weil das Zwerchfell der Muskel ist, der in erster Linie dafür verantwortlich ist.

Um diesen Vorgang zu verdeutlichen, habe ich einige sehr schöne Bilder, die ein Gefühl dafür vermitteln, wie die Ausatmung und die Stütze funktionieren.

Bild 1:
Wir stellen uns vor, wir wollen im Schwimmbad oder im Baggersee solange wie möglich den Kopf unter Wasser halten. Wir atmen zunächst einmal gaaanz tief ein (volle Atmung) und unter Wasser halten wir die Luft an, also durch Anspannen unserer Muskulatur hindern wir die Luft daran, auszuweichen.

Bild 2:
Auch für unser zweites Bild bleiben wir am Baggersee. Diesmal wollen wir mit unserem kleinen Cousin ein kleines, selbst gebautes Segelschiff schwimmen lassen. Wir atmen wieder ganz tief ein und blasen die Luft in einem dicken Strahl und mit viel Druck gegen das Segel. In meinen Workshops lasse ich die Teilnehmer ihre Hand ein bisschen wie ein Segel wölben und sie sollen ihre Hand dann "wegblasen" wie ein Segel.

Bild 3:
Wir haben Geburtstag und wollen die Kerzen der Geburtstagstorte ausblasen. Jeder weiß, dass man dies mit einem einzigen Atemzug tun muss, denn sonst gehen die Wünsche nicht in Erfüllung. Wir atmen also wieder ganz tief ein und blasen (genauso wie eben in dem Bild mit dem Segel) die Kerzen mit einem dicken Strahl und mit viel Druck aus.

Bild 4:
Nun haben wir nur eine einzige Kerze auszublasen, die ist aber genau eine Armlänge entfernt (siehe Foto). Wir atmen wieder ganz tief ein und blasen diese Kerze mit viel Druck, aber nicht mehr in einem dicken, sondern in einem dünnen, focussierten und kräftigen Strahl aus.

Übung zum Ausatmen beim Saxophon spielen

Dieses letzte Bild kommt schon der Art und Weise sehr nahe, wie wir die Töne mit unserem Saxophon anblasen sollten. Erst wenn wir von der Atmung her mit einer ausreichenden "Stütze" spielen, haben wir den Druck, um die Töne stabil zu halten und sind in der Lage in anderen Bereichen des Körpers (zum Beispiel bei der Lippenspannung und Kiefer) frei und möglichst entspannt zu spielen.

Typische Ansatzfehler

Oder umgekehrt ausgedrückt: fehlt uns die notwendige "Atemstütze" und der für das Saxophonspielen nötige Druck, so fangen wir automatisch an, diesen Druck an anderen Stellen im Körper aufzubauen. Und genau das sind die typischen Fehler, die ich bei manchen Teilnehmern in meinen Workshops immer wieder beobachte: Da wird die Lippenmuskulatur  zu sehr angespannt oder mit einem zu starken Druck vom Unterkiefer gespielt. Da wird mit dem Hals nachgepresst (manchmal hört man sogar beim Spiel diese Halsgeräusche, die fast wie leises Stöhnen klingen) oder die Tönen mit einem zu starken Zungenstoß angespielt.

Alles Fehler, die sich negativ auf den Sound auswirken und zu vermeiden sind, sobald wir gelernt haben, mit einer ausreichenden "Stütze" zu spielen.

Lange Töne ... lange Töne

Egal, welches Blasinstrument wir spielen, das Spielen von langen Tönen ist immer die beste Übung für eine gute Atmung und für einen schönen Ton, denn Ungenauigkeiten in der Ausatmung fallen hier sofort auf: Wenn wir nicht ganz gleichmäßig und einem stetig gleichen Druck die Töne anspielen, merken wir sofort ein Holpern oder Zittern im Ton.

Übung

Ich habe hier einmal eine sehr gute Atem-, bzw. Ansatzübung aufnotiert. Spiele die Übung in einem langsamen Tempo und mit viiieeel Ruhe. Höre dir beim Spielen sehr genau zu. Achte darauf, dass du möglichst entspannt und in einer mittleren Lautstärke spielst.



Wenn wir uns jeden Tag ein paar Minuten mit dieser oder einer ähnlichen Übung als "Warm Up" beschäftigen, garantiere ich, dass sich viele Soundprobleme mit der Zeit im wahrsten Sinne des Wortes "in Luft aufgelöst haben".

Viel Spaß dabei wünscht,

 

Dirko Juchem 


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