High Notes auf dem Saxophon Teil 2 - Neue Griffe

Jürgen Wieching
Jürgen Wieching

Die alten Obertöne

In der letzten Ausgabe dieses Saxophonworkshops hatte ich als Einleitung zum Thema "High Notes" das Thema Obertöne vorgestellt. Das sichere Beherrschen der Obertöne ist fundamentale Voraussetzung für das Spiel der High Notes oder des sogenannten "Flageolett" bzw. "Altissimo" Registers. Wesentliche Aspekte für erfolgreiches Üben mit den Obertönen sind:

1.    Der Ansatz:
Der Ansatz muss sehr fest sein aber nicht "verbissen" - wenn das Blättchen das Mundstück so verschließt, dass keine Luft mehr vorbeiströmt, kann auch kein Ton entstehen (auch kein ganz hoher Ton)

2.    Die Mundhöhle als Resonanzraum:
Das ist leicht nachzuvollziehen, wenn darauf geachtet wird, wie z. B. die Zunge den Mundraum beim Lippenpfeifen verändert, wenn hohe Töne gepfiffen werden. Das Gleiche kann auch beim Pfeifen auf den Fingern festgestellt werden, wenn die Tonhöhe verändert wird.

3.    Ein gleichmäßiger gut "gestützter" Luftstrom bei "offenem" und entspanntem Hals, bzw. Kehlkopf

Theoretisch ließen sich alle High Notes als Obertöne von Tönen des normalen Saxophonregisters erzeugen. Allerdings empfinde ich das als umständlich und unübersichtlich, weil dafür wirklich ein extrem sicherer Umgang mit allen Obertönen erforderlich ist. Abgesehen davon ist es auch nicht sonderlich bequem im Spielfluss jedesmal das gegriffene Register zu wechseln, wenn High Notes als Obertöne von tiefen Tönen gespielt werden würden.

Die neuen Griffe

Es müssen also Griffe her, die ein sicheres, sauber intoniertes "Einrasten" der High Notes ermöglichen und gleichzeitig so aufgebaut sind, dass Sie ein flüssiges Spiel ermöglichen. Wie ich schon zur Einleitung diese Workshops festgestellt hatte gibt es diese Griffe für High Notes auf dem Saxophon - es gibt sie sogar in unterschiedlichen Varianten, da nicht alle Griffe auf allen Instrumenten gleich gut funktionieren.
    
Zur Einführung der neuen Griffe für die Top Tones oberhalb des gegriffenen dreigestrichenen "Fis" werde ich zunächst alternative Griffe für die Töne E"˜"˜"˜, F"˜"˜"˜ und Fis"˜"˜"˜ vorstellen. Diese neuen Griffe zeigen schon das Prinzip der Griffe für die High Notes. Sie vermitteln auch den geänderten Klangcharakter und das Ansatzgefühl für die hohen Töne

Die alternativen Griffe lassen sich ab dem E"˜"˜"˜ aufwärts benutzen. Sie werden mit der sogenannten "Front F" Taste und dem linken Zeigefinger, der von der "B" (deutsch: "H") Taste nach oben gleitet, gegriffen. Wegen der dadurch entstehenden abgespreizten Haltung des linken Zeigefingers werden sie auch "Gabelgriffe" genannt.

Schematische Darstellung des Saxophons / Griff E / Griff F

Aufbau Saxophonklappen

OK: Oktavklappe
Schwarze Tasten: drücken
graue Tasten: bei Bedarf zur Intonationskorrektur drücken.

Gabelgriffe

Zum Üben der neuen "Gabelgriffe" eignen sich die folgenden Übungen. Die Übungen sollen langsam, sowohl portato als auch legato gespielt werden. Achtet auf einen schönen, tragfähigen Ton und saubere Intonation. Unterstützt die Töne mit den alternativen Griffen durch die Mundhöhle als Resonanzraum, wie bei den Obertonübungen!


High Notes Übung
High Notes - Übungsbespiel I - E''
High Notes Übung
High Notes Übungsbeispiel II - F'''

Griffe für den Ton F#

Der Ton F# lässt sich durch unterschiedliche Griffe spielen. Mein persönlicher Favorit ist die erste Variante:

Griff F#

High Notes Übung F#'''

Bei der folgenden Übung zum F#''' solltet Ihr euch für einen Griff entscheiden, der euch am Besten liegt. Diesen Griff solltet Ihr dann als Standard verwenden

High Notes Übung
High Notes - Übungsbespiel III - F#'''

High Notes Übung - Kombination der Töne

Wenn ihr mit den neuen Griffen vertraut und sicher seid, könnt ihr mit der folgenden Übung die Kombination der neuen Töne lernen. Ich habe diese mit einem Legatobogen notiert, versucht aber auch diese Übungen portato zu spielen. Achtet auch bei dieser Übung auf einen schönen, gleichmäßigen Ton und auf sorgfältige Intonation

High Notes Übung
High Notes Übung

High Notes - Beispiel Pattern

High Notes Übung

Zum Abschluss gibt es noch ein Beispiel wie man das hohe Register in ein Solo einbauen kann. Verwendet die neuen "Gabelgriffe". Ihr werdet feststellen, dass der spezielle Sound dieser Griffe sehr gut zum Charakter der Musik passt. Die Notation des Stückes hat als Grundlage das Tonmaterial der A-Blues Scale. Mit einem Tenorsaxophon könnt ihr dieses Beispiel zu einem Blues oder Rhythm'n'Blues Stück in klingend "G", mit dem Altsaxophon in klingend "C", spielen.

Viel Spaß mit diesen Basis Übungen zu den Griffen für die High Notes. In der nächsten Folge werden dann die Griffe und weitere Übungen zu den höchsten Tönen vorgestellt werden.

Jürgen Wieching