Subtone - über die Erzeugung und den Einsatz

Einleitung

Wie kaum ein anderes Blasinstrument, so lebt das Saxophon von seiner sehr großen Soundvielfalt und den ganz unterschiedlichen und emotionalen Klangmöglichkeiten. Da ist zum Beispiel der aggressive und "schreiende" Klang, der in manchen Rocksongs für Aufsehen sorgt, aber auch der ganz coole und luftige Sound, den man oft in Jazz- oder Rockballaden hören kann. Mit diesem als "Subtone" bezeichneten Sound werden wir uns in dieser Workshopausgabe beschäftigen.

Wie spiele ich einen Subtone

Am besten kommt der Subtone in der tiefen Saxophonlage zur Geltung und wird sehr oft von Tenorsaxophonisten eingesetzt, kann aber natürlich auf dem Altsaxophon genauso gut gespielt werden. Weil es einen eher weichen und "soften" Klang hervorbringt, sind es dann auch die ruhigen Songs, in denen man den Subtone hören kann.

Ein typisches Beispiel ist der berühmte Bossa Nova - Standard "Girl From Ipanema", der im Original von dem genialen Saxophonisten Stan Getz gespielt wird. Aber auch der Saxophon-Klassiker "Pink Panther" wird oft und gerne mit diesem hauchigen Ton gespielt. Ein weiterer typischer Vertreter des Subtone ist der grandiose Jazzsaxophonist Ben Webster. Darf es etwas moderner sein, so finden wir unter den Popsaxophonisten den genialen Grover Washington Jr., der gemeinsam mit Bill Withers einen weltweiten Saxophonhit mit "Just The Two Of Us" eingespielt hat. Und noch etwas moderner wird es dann mit "Smooth Operator" von der Gruppe "Sade", eine der schönsten Saxophon-Intros der achtziger Jahre.

Einsatz im Orchester und in der Big Band

Subtone ist eher eine solistische Angelegenheit und wird demzufolge kaum im Bläsersatz einer Big Band oder im Musikverein eingesetzt. Luftgeräusche, unsauberer Ton, oder Speichel am Blatt würde man im Bläsersatz eher wie einen Mangel an Spieltechnik empfinden und nicht als bewusst eingesetzter Sound. Aber auch in einer größeren Besetzung kann der Subtone interessant klingen, nämlich immer dann, wenn ein Saxophonist alleine eine ruhige Melodie vorträgt oder ein Solo spielt.

Tipps zur Spieltechnik

Wie schon erwähnt, werden Subtone-Passagen normalerweise sehr leise und "luftig", bzw. "hauchig" gespielt - zuweilen hört man Anblasgeräusche stärker als den eigentlichen Saxophonton. Subtone-Passagen sollte man extrem locker anblasen, also ohne den sonst üblichen festen Lippendruck. Dabei darf man gerne viel Luft einsetzen, die dann als "luftiges Geräusch" mitklingt. Der Ton soll also auf gar keinen Fall "sauber" und "schön" klingen und selbst Nebengeräusche, wie Speichel am Blatt sind erlaubt und sogar erwünscht.

Übung #1 - Subtone mit nur einem Ton

Wir üben den Subtone erst einmal mit nur einem Ton. Im Idealfall sollte das ein tiefer Ton sein, der nicht zu schwer anspricht, deshalb nehmen wir jetzt einfach ein tiefes D. Spiele diesen Ton zunächst mit deinem "normalen" Ansatz an. Achte danach darauf, dass besonders dein Unterkiefer immer lockerer wird; der Unterkiefer geht also immer weiter nach unten, vom Blatt und Mundstück weg, bis der Ton fast "wegrutscht" und nicht mehr zu hören ist. Kurz bevor er "wegrutscht" sollte der Ton einen schön hauchigen und "subtonigen" Sound haben.
Anderen Saxophonisten mag vielleicht die umgekehrte Erklärung einleuchtender sein: greife ein tiefes D, nimm das Mundstück in den Mund, aber zunächst einmal ganz ohne mit der Lippe gegen das Blatt zu drücken. Wenn du nun in das Mundstück "hineinbläst", dann sollte erst einmal nur die Luft und noch überhaupt kein Ton zu hören sein. Nach und nach erhöhst du die Lippenspannung, bis dein tiefes D mit sehr viel Luftgeräusch zu hören ist. Mit diesem Ansatz kannst du nun versuchen, unsere Subtone - Übungen zu spielen.

Übung #2 - Notenbeispiele für Subtone

Übung #2 Subtone - "Über die Erzeugung und den Einsatz" von Dirko Juchem
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Ich habe hier einige Übungen für Subtone notiert. Es handelt sich jeweils um die gleiche Melodie, die immer einen Halbton nach unten verschoben ist, damit du diese Technik besonders in der tiefen Lage üben kannst. Spiele die Übungen mit möglichst wenig Lippendruck und mit viel Luft, die durchaus auch am Mundstück vorbei "rauschen" darf.

Neben den Übungen, die ich dir hier notiert habe, kannst du den Subtone natürlich auch hervorragend an bekannten Melodien üben, die sich besonders dann eignen, wenn du sie  in der tiefen Lage deines Saxophons spielst.

Übung #3 - Licks (z.B. für Solo)

Hier habe ich noch ein paar typische melodische Linien aufnotiert, die aufzeigen, wie der Subtone zum Beispiel in einem Solo eingesetzt werden kann. Spiele die Licks erst einmal mit einem normalen und schönen Sound und danach erst mit Subtone.

Übung #3 Licks für z.B. Solis - Subtone - "Über die Erzeugung und den Einsatz" von Dirko Juchem
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Tipps zu den Übungen

Layed Back
Weil der Subtone eine eher laszive und "coole" Stimmung erzeugen soll, werden solche Passagen gerne auch ein bisschen "layed back" gespielt, d.h. wir spielen nicht ganz exakt im Timing, sondern eher ganz leicht schleppend hinter dem Beat.
Notation
Subtone-Passagen werden normalerweise in den Noten nicht besonders hervorgehoben, weil sie doch eher eine individuelle Angelegenheit sind. Wird in einem Bläserarrangement die Subtone-Technik ausdrücklich gewünscht, so finden wir meistens den Hinweis: "play with subtone" oder "with sub." über oder unter den Noten.
Songs
Wir können das Subtone natürlich auch üben, indem wir bekannte Melodien mit dieser Technik spielen. Aus urheberrechtlichen Gründen darf ich hier keine Melodien abdrucken, aber jeder hat sicherlich in seinen Noten einige Lieder, die sich für den Einsatz des Subtone eignen.

Schlusswort

Wer keine geeigneten Songs zur Hand hat, dem empfehle ich die Sielhefte aus der "Schott Saxophone Lounge". In dem Band "Movie Classics" findet ihr zum Beispiel "Pink Panther", das sich bestens für Subtone eignet, in dem Band "Latin Standards" findet ihr "Girl From Ipanema", das gerade von Tenorsaxophonisten sehr schön mit Subtone gespielt werden kann.

In diesem Sinne: viel Spaß beim SAXXXEN!

Euer

Chromatische Fingerübungen auf dem Saxophon von Dirko Juchem
Dirko Juchem