Anfängerausbildung

Einleitung

Immer wieder werde ich auf Workshops gefragt, wie man am Besten mit der Trompeten- anfängerausbildung beginnt. Wie bei den meisten Fragen, gibt es auch hier kein "Universalrezept"! Eigentlich ist es überflüssig dies zu erwähnen: Da jeder Mensch individuell ist, müsste man für jeden Schüler auch ein individuelles Programm, sprich auch eine eigene Trompetenschule haben. Das ist theoretisch gesehen eine tolle Idee, die sich aber praktisch nicht durchführen lässt, weshalb man Kompromisse eingehen muss. Ich möchte darum in diesem Artikel die verschiedenen Typen von Anfängern vorstellen und eine Vorgehensweise vorschlagen.

Das Instrumentenkarusell

Ich habe in verschiedenen Musikschulen und Schulen Instrumentenkarusselle durchführen dürfen, das heißt, es kamen 5-6 Schüler für ein paar Wochen zum Trompetenunterricht um das Instrument kennen zu lernen, dann wechselten sie und es kamen neue Schüler. Dabei habe ich ein breites Feld an Schülern erleben dürfen, die die Trompete einmal ausprobiert haben und ohne den speziellen Wunsch kamen, die Trompete erlernen zu wollen. Die dabei gewonnen Beobachtungen möchte ich hier kurz erläutern.

Die vier verschiedenen "Summtypen"

Bei der spielerischen Entdeckung des Instrumentes haben wir erst mal begonnen die Tonentstehung zu "analysieren" und "festgestellt", dass der Ton mit den Lippen gemacht wird. Also habe ich die Kinder erst einmal summen (buzzen) lassen, damit sie wissen, dass das eigentlich schon ein Ton ist, was natürlich immer einen riesen Spaß machte. Hierbei konnte ich im Laufe der Jahre feststellen, dass sich die Kinder grob in vier Typen einteilen ließen, die ich hier versuche kurz vorzustellen:

Typ 1: Summte eher mit dem Lippenrot und konnte die Lippen auch nicht einrollen, um so höhere Töne zu summen.

Typ 2: Konnte relativ gut summen und hatte die Lippen dabei auch schon eingerollt, alles natürlich noch unkontrolliert.

Typ 3: Presste die Lippen aufeinander, summt dadurch sehr hohe Töne. Diese sind vergleichbar mit dem Geräusch, welches man erzeugt wenn man das Bremsen eines Autos nachmachen möchte.

Typ 4: Konnte gar nicht summen. Die meisten Kindern, die nicht auf Anhieb summen konnten, bekamen es nach ein paar Tips schnell raus, doch hier half alles nicht. Selbst ganz tiefe Töne, das sogenannte "Horse flapping", konnte er nicht nachmachen. (Das habe ich in der Praxis jedoch nur einmal erlebt, möchte es hier aber trotzdem erwähnen.)

Übertragung auf die Trompete

Wenn wir dann die Trompete nahmen, um unser "Entdeckung" nun darauf zu übertragen, ergab sich folgendes Bild:

Typ 1: Spielte auch auf der Trompete mit viel Fleisch, dadurch waren die Töne eher "Geräusche", sprich sehr unsauber. Auch war es ihm in den meisten Fällen nicht möglich, verschieden hohe Töne zu spielen oder die Lippen mehr einzurollen. In manchen Fällen  half das Mundstück die Lippen besser zu halten.

Typ 2: Konnte gleich relativ saubere Töne spielen. Meist bekam er zwei, gelegentlich auch schon drei Naturtöne auf der Trompete: c1, g1 und c2

Typ 3: Presste auch auf der Trompete die Lippen feste aufeinander. Dadurch kamen unkontrolliert sehr hohe Töne zu Stande. Oft hatten diese Kinder Probleme ihre Lippenmuskulatur locker zu lassen und kamen somit erst mal schlecht mit tiefen Tönen zurecht.

Typ 4: Hatte in dem einen Fall auch auf der Trompete große Probleme, sang dann rein. Sicher hätte man das Problem nach längeren Versuchen in den Griff bekommen, aber auf Grund der kurzen Zeit war es nicht möglich.

Der beste Anfänger

Idealer Trompetenanfänger wäre auf den ersten Blick, nach den oben beschriebenen Typen, natürlich Typ 2, er hat die besten ansatztechnischen Voraussetzungen. Was sich daraus entwickelt, sieht man dann natürlich erst später. Es aber nicht immer unbedingt diese Kinder sind, die dann auch Trompete lernen wollen, sondern es kommen auch Typ 1 und 3 zum Trompetenunterricht, die durchaus mit der Zeit besser spielen können als Typ 2, aber eben einen etwas arbeitsreicheren Start haben. Es gibt inzwischen Trompetenschulen, die die Option bieten, mit unterschiedlichen Tönen anzufangen. Hier werden die Töne c1 oder g1 als Startton angeboten, was durchaus sinnvoll ist. Da ich im Instrumentenkarussell bereits in der ersten Stunde mit dem oben beschriebenen Programm durch war, suchte ich nach Möglichkeiten mit den Kindern Stücke zu spielen ohne das sie einen festgelegten Ton sicher treffen mussten, was ja für Anfänger, bei denen die Lippenmuskulatur und die Atmung noch nicht gut zusammenarbeiten, schwierig ist. Also begann ich Playalongs zu entwickeln bei denen keine feste Noten, sondern nur Griffe gespielt werden. Das machte den Kindern viel Spaß und sie konnten zu Hause gleich ein "Lied" mit Begleitung vorspielen. Bei Anfängern ermöglichte mir dies, sie so starten zu lassen wie sie kamen, egal welcher Typ sie waren und ohne das sie sich verbiegen mussten. Gesammelt habe ich das ganze in meiner Anfängerschule "Start frei". Da ich es bevorzuge in eher der mittleren Lage mit dem Trompetenspiel zu beginnen, kann man damit auch gleich die mittlere und hohe Lage trainieren.

Oft bekommen das die Kinder auch recht schnell hin und können schnell kontrolliert verschieden hohe Töne anspielen.

Playalong 1 - Dancing Girls

Playalong 2 - In different places

Fazit

Kinder, die ein Instrument erlernen wollen, wollen in erster Linie Musik machen. Kaum einer kommt zu einem Lehrer um technische Übungen zu spielen, die meisten werden diese auch kaum üben, selbst wenn man es ihnen aufgibt. Spaß wollen sie haben und vor allem schnelle Erfolgserlebnisse, die sie am Besten noch zu Hause vorspielen können. Wenn man dann noch beachtet, dass sich nicht fundamentale Fehler einschleichen, die man bei Kindern meist mit kleinen spielerischen Übungen vermeiden kann, dann ist man auf dem richtigen Weg.

Viel Spaß beim täglichen Üben!
Euer

Training für das Atemvolumen
Joachim Kunze