Improvisation, kein Wunderding!

Der Ursprung der Musik

Ich möchte mich in diesem Artikel dem Thema Improvisation befassen, denn ich halte Improvisieren für eines der grundlegendsten Dinge in der Musik, mit der sich jeder Musiker befasst haben sollte.

Warum? Nun ich glaube das die Ursprünge der Musik in der reinen Improvisation lag. Ähnlich wie in der Sprache war in Musik zuerst selbige da, bevor die Notenschrift und dann ein Erkennen und Lehren von gewissen Regeln auftrat. Trommeln und Gesang, sicher nicht so wie unser heutiger, könnten einer der ersten musikalischen Erfahrungen der Menschen gewesen sein. Sicher wurde hier froh und fröhlich Improvisiert.

Somit wäre Improvisation der Ursprung der Musik und für die Menschen zu dieser Zeit etwas "normales" und natürliches gewesen.  So war das Improvisieren ein Bestandteil der Musik durch die Jahrhunderte hindurch, ob im frühen Mittelalter bei den gregorianischen Gesängen oder später bei der Musik der Spielleute und Gaukler, bei Johann Sebastian Bach, auch die Variationen über ein Thema bei Mozart sind nicht anderes als Improvisationen, bis in die heutige Zeit, wo sie hauptsächlich im Jazz betrieben wird. Darum sollte sich jeder, der Musik macht, mit dem Improvisieren beschäftigen.

Anleitung zur Improvisation

Hat man sich entschieden, der Improvisation etwas näher zu kommen, steht man auch gleich vor der Frage: Wie fange ich damit an. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Anleitungen und Schulen zur Improvisation, die ich hier keinesfalls bewerten möchte. Manche Schulen sind ähnlich, andere bieten verschiedene Wege.

Somit stellt sich die Frage: Welchen Weg nehme ich, welcher ist der Richtige? Doch da kann man beruhigt aufatmen, einen richtigen und einen falschen Weg gibt es nicht. Dem Einen wird dieser Weg besser liegen, dem Nächsten der Andere. Darum sollte man einfach mal die ein oder andere Schulen ausprobieren und sehen welcher Weg einem persönlich am besten erscheint.

Grundsätzlich sollte man einen Lehrer aufsuchen, der einem mit Rat zur Seite steht. Sicher gibt es Hobbymusiker die aus zeitlichen Gründen nicht unbedingt die Möglichkeit sehen Unterricht bei einem versierten Lehrer zu nehmen. Diesen möchte ich gerne mit ein paar kleinen Ideen helfen.

Eine Sprache lernen

Dazu vergleichen wir das Improvisieren mit dem Erlernen der Sprache. Wie lernt ein kleines Kind die Sprache? Ganz einfach es lauscht der Sprache in seiner Umgebung, dass sind im Normalfall die Eltern (heute könnte es auch der Kinderhort sein). Nehmen wir die erste Variante, es lauscht also seinen Eltern. Es hört genau wie seine Eltern reden, wie sie die Grammatik verwenden  und die Sätze formen, ohne sich über die theoretischen Zusammenhänge von Sätzen und Grammatik Gedanken zu machen.

Und irgendwann beginnt es die Eltern zu imitieren, einzelne Brocken und dann immer mehr, ganze Sätze. Auch jetzt denkt kein Kind über irgendwelche sprachlichen Regeln nach. Es wird sich den Sprachschatz der Eltern zu Eigen machen, d.h. desto besser und gewählter die Sprache der Eltern, desto besser weiß auch das Kind sich auszudrücken. Erst viel später lernt das Kind in der Schule die entsprechenden Regeln. Sprechen die Eltern oder die Umgebung des Kindes einen Dialekt wird auch dieser angenommen.

Aus dem geschilderten Vorgang beim Erlernen der Sprache, kann man viel auf das Erlernen der Improvisation übertragen.

Improvisierte Musik hören

Ein erster Schritt zur Improvisation ist: Möglichst viel improvisierte Musik anzuhören! Vorrangig natürlich mit dem Instrument, mit dem man selber improvisieren möchte, aber auch durchaus von anderen Instrumenten. Man sollte sich ein Stück raussuchen, am besten eins, das nicht zu schnell ist und nicht zu viele Akkorde hat. Meistens biete sich ein Blues, z.B. "Blue seven" von Sonny Rollins oder Stücke wie "Watermelon Man" von Herbie Hancock.

Es ist sehr hilfreich, wenn man die Noten vom Thema hat. Dieses kann man von verschiedenen Interpreten anhören. Man wird feststellen, dass sich die meisten Interpreten nicht ganz an den Notentext halten und das Thema oft freier interpretieren. Der nächste Schritt wäre, das Thema auswendig zu lernen, erst nach genauem Notentext, dann mal die freiere Interpretation probieren und sich selber mal freier duch das Thema bewegen, es leicht verändern und schön befindet man sich auf dem Weg zur Improvisation.

Um ein Gefühl für die Akkordfolge zu bekommen, kann man die Akkordtöne mitspielen. Man kann probieren einfach mal ein paar Phrasen des Interpreten nachspielen, oder auch die komplette Improvisation raushören und aufschreiben. Das wird beim Ersten mal schwierig und langsam gehen, aber auch hier macht Übung den Meister. Man kann die Improvisation nachspielen, dann langsam verändern und so seine eigene Improvisation entwickeln.

Improvisation ist kein Wunderding

Nein, Improvisation ist kein Geheimnis und kein Wunderding. Das wichtigste bei der ganzen Sache ist: Einfach mal damit anzufangen und einfach spielen. Man muss Fehler zulassen, den Mut haben auch mal einen Chorus zu verbocken. Miles Davis soll einmal gesagt haben: Ob der Ton richtig ist oder nicht, entscheidet der nächste Ton.

Somit wünsche ich Euch nun viel Spaß beim Training.

Euer

Joachim Kunze

 

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