Teamplayer im Trompetensatz

Das Team

Team ist inzwischen eines der Lieblingsworte in unserer Gesellschaft geworden, wo man auch hinschaut, überall werden Teams gebildet und im Team gearbeitet. In der Musik, und auch im Sport, gibt es "Teams" schon lange bevor sie in der Wirtschaft oder auch sonst wo eingeführt wurden.

In der Musik ist es dabei völlig egal ob es sich hierbei um ein kleines Ensemble oder um ein sinfonisches Orchester handelt. Doch nicht alles was sich Team nennt, funktioniert auch wie ein Team, denn Team heißt: Gemeinsam etwas erreichen zu wollen. Je perfekter im jeweiligen Team zusammengearbeitet wird, desto besser ist das Ergebnis

Der Trompetensatz

Ich möchte jetzt aber nicht auf die grundsätzliche Funktions- und Arbeitsweise von Teams eingehen, sondern im speziellen Fall auf die Teamarbeit im Trompetensatz sprechen, auch wenn sich das ein oder andere durchaus grundsätzlich auf alle möglichen Teams übertragen lässt.

Doch kommen wir zum Trompetensatz, den gibt es natürlich in jedem Orchester, ob klassisches Orchester, Blasorchester oder Jazzorchester. Ähnlich wie im Ballsport, sind im Trompetensatz "Solisten", soll heißen, Trompeter die sich nicht in einen Satz eingliedern können, sind fehl am Platz. Für mich ist das wichtigste, dass die Mitglieder eines Trompetensatzes sich gegenseitig respektieren.

Neid oder Missgunst sind hier fehl am Platz. Es geht in einem Satz nicht darum, dass man versucht sich gegenseitig auszustechen, sondern gemeinsam die Musik bestmöglich zu präsentieren. Darum muss man in diesem Team auch einige wichtige Regeln befolgen.

Der Satzführer

Bei der Ausarbeitung eines Stückes im Satz, besteht durchaus die Möglichkeit, dass jeder Trompeter seine Meinung zu der Gestaltung von Phrasen in Form von Ausdruck, Phrasierung oder Dynamik hervorbringt, aber im letzten bestimmt der Satzführer, der erste Trompeter, wie die jeweiligen Stellen gespielt werden.

Das heißt natürlich, dass sich die anderen Satzmitglieder in den Trompetensatz einfügen müssen. Dabei müssen die musikalischen Vorgaben des Satzführers bedingungslos übernommen und auch umgesetzt werden.

Die Klangvorstellung

Doch nicht nur das muss funktionieren, denn ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Klangvorstellung des Satzes. Nur wenn alle Trompeter eines Satzes die gleiche Klangvorstellung haben, dann wird der Satz, egal ob in Big Band, Sinfonie- oder Blasorchester zu einem "Guss".
    
Eigentlich ist es selbstverständlich, doch ich möchte es trotzdem erwähnen. Es erleichtert dem Leadtrompeter seine Arbeit enorm, wenn die weiteren Satztrompeter perfekt intonieren. Denn dann sind seine Töne als saubere Obertöne in den Akkorden der Unterstimmen enthalten und er muß nicht seine Töne "hinbiegen" sondern kann sich ganz entspannt auf die Unterstimmen setzen.

Wenn nicht das komplette System stimmt, dann wird unser Trompetensatz nicht wirklich ein Satz, sondern dann ergibt es einen ersten Trompeter mit Begleitung.

Trompetensatz ohne Einzeichnung
Trompetensatz ohne Einzeichnung
Trompetensatz mit Einzeichnung
Trompetensatz mit Einzeichnung

Dynamik

Gehen wir nun noch auf ein paar Einzelheiten ein, wie man in einem Satz richtig arbeiten sollte. Zunächst ist es einmal wichtig, sich in den Proben, falls möglich Satzproben, genau abzusprechen. Manchen Vorgaben des führenden Trompeters kann man sicher durch gutes Zuhören folgen, aber einiges sollte auch im Vorfeld geklärt und in die Noten eingezeichnet werden. Dynamische Zeichen z.B. crescendo und decrescendo sollten gelichmäßig sein. Bei der Dynamik muss man natürlich immer noch bedenken, das auch die räumlichen Gegebenheiten beachtet werden müssen.

Wenn z.B. der Konzertraum eine andere Akustik hat als der Proberaum, kann ein Forte schnell zu laut oder auch zu leise sein. Natürlich müssen hier auch unbedingt die Wünsche und Vorstellungen des Dirigenten beachtet werden, denn er hört von vorne am besten, welche Dynamische Stufe der Musik und dem Ensemble am dienlichsten ist.

Da man in der Musik nicht nur zusammen beginnen soll, sondern auch zusammen aufhören sollte, muss man sich einigen, auf welche Zählzeit eine Note endet. Wie kurz man die Stakkatoviertel spielt, ist die Note kurz oder kurz und betont. Sind Phrasierungen nicht schon vom Komponisten oder Arrangeur eingezeichnet, muss man auch hier Absprachen treffen.

Es gibt nichts schlimmeres, als wenn der Satz unterschiedlich phrasiert und hier ist es egal, ob in einem Satz mit vier Trompeten, zwei Trompeten oder einem Bläsersatz einer Funkband. Binden wir diese Stelle oder stoßen wir sie.

Musikalische Meinung

Bei allen Entscheidungen steht im letzten immer die musikalische Meinung des Dirigenten an erster Stelle. Er bewertet und bestimmt den Zusammenklang des Ensembles und den musikalischen Ausdruck. Als letzten Tip kann ich nur immer wieder betonen, dass sich alle Satzmitglieder die nötigen Vermerke in den Noten notieren, in der Aufregung des Auftrittes kann es sonst schnell etwas Vergessen werden und in die "Hose" gehen.

Dann kann das Team "Trompetensatz" klappen, wie ein Uhrwerk, ich spreche hier von einer analogen Uhr mit Uhrwerk, greift hier ein Rad in das Andere und kann zum Funktionieren des Ensembles beitragen.
    
Na, dann mal los - und viel Spass im Team!
 
Joachim Kunze