Der optimale Saxophon – Sound: Das Mundstück, kleines Teil mit großer Wirkung

Einleitung

Die Wahl des richtigen Mundstücks hat einen entscheidenden Einfluss auf den persönlichen Saxophonsound. Das Saxophon selbst muss gut ansprechen, die Mechanik muss gut und solide verarbeitet sein, die Polster müssen überall decken und das Instrument muss gut intonieren – aber der Sound wird zum ganz großen Teil durch das Mundstück und Blatt (und natürlich auch durch die Ansatzfähigkeiten des Spielers) bestimmt.

Und genau deshalb ist es so schade, dass sich heute immer weniger Saxophonisten mit der Wahl des Mundstücks beschäftigen. Bei meinen Workshops sitzen immer wieder Saxophonisten, die auch nach Jahren noch das Mundstück spielen, das beim Kauf des Instruments dabei war; dabei sind diese beigelegten Mundstücke mehr oder weniger nur zum Antesten im Musikgeschäft gedacht, womöglich noch für die ersten „Gehversuche“ bei Einsteigern, aber nicht zum Spielen innerhalb einer Band, eines Musikvereins oder beim Konzert. Deshalb kann ich nur jeden ermuntern, sich auf die Suche nach dem passenden Mundstück zu machen und dazu will ich hier ein paar Tipps geben.

Unterschiedliche Mundstücke

Mundstücke

Zunächst fällt natürlich ins Auge, dass Mundstücke aus ganz unterschiedlichen Materialien hergestellt werden. Die typisch schwarzen Mundstücke sind zumeist aus Kunststoff, können aber auch aus dem hochwertigeren Kautschuk sein. Bei den Metallmundstücken findest du die verschiedensten Legierungen, zum Beispiel Modelle, die ganz aus Edelstahl hergestellt sind (wie bei Berg Larsen) oder auch aus Bronze (Otto Link) und natürlich in unterschiedlichsten Mischungen und Zusammensetzungen.    

Grundsätzlich kann man sagen, dass Kautschuk- und Kunststoffmundstücke eher dazu neigen, wärmer und weicher zu klingen, Metallmundstücke klingen dagegen oft etwas durchdringender, „heller“ und „spitzer“.

Aber Achtung: dies ist nicht allein vom Material abhängig, denn von sehr großer Bedeutung sind auch verschiedene andere Parameter eines Mundstücks: da ist zum Beispiel die „Bahn“, die in erheblichem Maße dafür verantwortlich ist, wie leicht oder wie schwer die Töne ansprechen; dann die Gegenwand, die entweder gerade verlaufen oder eine Wölbung („Baffle“) haben kann und auch einen großen Einfluss auf Ansprache, aber auch auf den Sound hat; und nicht zuletzt die Kammer, der „innere Resonanzraum“ des Mundstücks, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, ob der Sound eher voll und mittig, oder eher „hell“ und „spitz“ ist.

Die „Bahn“

Schema Abbildung Mundstück

Auf die soeben angesprochene Bahn möchte ich noch einmal ausführlicher zu sprechen kommen. Hier unterscheidet man zwischen zwei Begriffen, der Bahnlänge und der Bahnöffnung. Die Bahnöffnung ist der Abstand zwischen der Spitze des Mundstücks und der Spitze des Blattes, die Bahnlänge bezeichnet die Länge, an der das Blatt nicht an dem Mundstück anliegt.

Die meisten Einsteigermundstücke haben eine eher kleine Bahn (z.B. Größe „4“). Eine kleine Bahn ermöglicht eine leichte Ansprache, ergibt aber meistens auch einen eher „dünnen“ und unstabilen Ton. Mit zunehmendem Training und Routine wechseln Saxophonisten dann irgendwann meistens zu etwas größeren Bahnen (oft zwischen „6“ und „8“), weil sie mit ihrer nun trainierten Lippenmuskulatur auch mit diesen Mundstücken die Töne sicher anblasen können, der Saxophonklang aber insgesamt stabiler und voller ist.

Unterschiedliche Bahnbezeichnungen

Ich hatte jetzt einige Bahngrößen genannt, aber hierbei muss man beachten, dass die Hersteller zum Teil völlig verschiedene Bezeichnungen haben. Nehmen einige Hersteller einfach Zahlen (von „4“ bis „10“), so bezeichnen andere ihre Mundstücke nach den genauen Bahnöffnungen (in der amerikanischen „Inch“-Abmessung) und dann heißen die Modelle „80“ oder „85“ oder „95“ (usw..) und wieder andere Hersteller unterscheiden ihre Mundstücke nach Buchstaben („C“, „S80“, „A45“).

Der Mundstück-Check

Bei all den unterschiedlichen Herstellern, Materialien, Bahngrößen und Innenkammern gibt es natürlich eine nicht zu überschauende Anzahl von unterschiedlichen Mundstücken. Und da hilft nur eins: selber ausprobieren!

Aber bevor es damit losgeht, steht natürlich eine ganz wichtige Frage im Raum: Wie willst du überhaupt klingen? Magst du lieber einen weichen, zarten und „smoothen“ Saxophonton, oder eher einen spitzen, durchdringenden und aggressiven Sound?

Denn von deinen eigenen Klangwünschen hängt maßgeblich ab, welches Mundstück du dir irgendwann zulegen wirst. Für einen weichen Sound wirst du eher ein Kautschukmundstück mit einer mittleren Bahn und einer größeren Kammer ausprobieren, für einen durchdringenden und spitzen Ton vielleicht ein Metallmundstück mit größerer Bahnöffnung und einer engeren Kammer.

Wenn du eine einigermaßen grobe Vorstellung davon hast, wie du gerne klingen möchtest, dann empfehle ich dir den Gang in ein gut ausgestattetes Musikgeschäft. Am besten ein Fachgeschäft für Blasinstrumente, die auch eine genügend große Auswahl an Mundstücken vorrätig haben und auch das nötige „Know How“, welches Mundstück für deine Soundvorstellung geeignet sein könnte. Wenn du einem guten Spezialisten im Fachhandel erklärst, wie du gerne klingen möchtest, dann wird er dir 3, 4 oder 5 Mundstücke zur Auswahl heraussuchen, die du dann in aller Ruhe anspielen solltest.

Spiele ein paar Töne in der Mittellage, einige tiefe Töne, einige hohe Töne und entscheide dich sehr spontan, ob dir ein Mundstück gefällt oder nicht. Wenn du spontan die tiefen Töne nicht kriegst, dann wirst du normalerweise auch nach einigen Wochen Üben keinen Spaß mit dem Mundstück haben. Wenn dann von den 5 ausgesuchten Mundstücken nur noch 2 übrig sind, dann kannst du schon ein bisschen genauer testen: spiele einfach deine Lieblingsmelodien (in der tiefen Lage, in der hohen Lage), welches der Mundstücke gefällt dir dabei besser?

Sax Heroes

Gibt es irgendwelche Saxophonisten oder irgendwelche Songs, in denen dir der Saxophonsound besonders gut gefällt? Willst du mit dem Tenorsaxophon genau so zart klingen, wie Stan Getz in dem Song „Girl From Ipanema“, oder so hart, wie Junior Walker in dem Foreigner-Hit „Urgent“? Oder willst du mit dem Altsaxophon so cool klingen, wie Paul Desmond in „Take Five“ oder so funky, wie Candy Dulfer in „Lily Was Here“?
    
Da kann es hilfreich sein, wenn man weiß, welche Mundstücke andere Saxer spielen. Mit ein bisschen geduld und Fingerspitzengefühl kriegt man solche Informationen sehr gut über das Internet. Gerade in den USA gibt es ganze Seiten, die sich nur mit dem Equipment bestimmter Saxophonisten beschäftigen.

Aber Achtung: dieses spezielle Mundstück von deinem Saxophon-Hero muss nicht auch für dich optimal passen, denn jeder Spieler hat eine andere Muskulatur, unterschiedliche Lippen und einen anderen Kiefer. Aber es kann immerhin eine Hilf sein und dir eine Richtung zeigen: wenn ein Modell in der Bahngröße „8“ für den einen Saxophonisten optimal ist, vielleicht kommst du dann mit dem gleichen Modell in der Größe „6“, „7“ oder „9“ bestens zurecht.

Auch hier heißt es wieder: ausprobieren und dabei wünsche dir viel Spaß(!!!), dein

Dirko Juchem                   

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