Was zählt wirklich?

Joachim Kunze
Joachim Kunze

Ich spiele jetzt schon ein paar Jahre Trompete, habe eine Vielzahl von Workshops gegeben und lese immer wieder gerne in Fachzeitschriften und in Internetforen.

Und was soll ich sagen: Ich lese dort seit 30 Jahren immer wieder die gleichen Fragen. Wenn man sich mal ein wenig umhört, dann waren es vor 50 Jahren auch schon die gleichen Fragen: Ausdauer, Höhe, Sound, Ansatz und Atmung.

Wie bekomme ich eine bessere Ausdauer? Wie kann ich meine Höhe ausbauen? Wie bekomme ich einen besseren Sound? Setze ich falsch an? Die Palette der Fragen ließe sich beliebig erweitern, dann brauche ich hier aber nichts anderes mehr zu schreiben, denn mit den Fragen könnte man problemlos Seiten füllen. Antworten auf diese Fragen gibt es jedes Jahr mehr, immer wieder neue Übungen und neue Ratgeber.

Früher hätte man gesagt: Üben, üben, üben.

Das ist natürlich völlig richtig, denn wer glaubt, mit dreimal in der Woche 10 min. üben, könnte man spielen wie ein Profi, der wird leider recht hart auf dem Boden der Tatsachen landen. Aber zum fleißigen Üben, gehört natürlich auch das richtige Üben und auch genügend Zeit. Vor allem an der Zeit mangelt es dem heutigen Menschen aber des Öfteren, vor allem demjenigen, der Blechblasen als Hobby betreibt und es neben Familie und Beruf noch in seinem Alltag unterbringen muss. Vielleicht liegt es auch daran, dass immer die gleichen Fragen auftauchen.

Die knappe Zeit die man zum Üben hat und trotzdem das Maximale herausholen, frei nach dem Motto: Geiz ist geil. Das ist natürlich sicher soweit alles richtig, als berufstätiger Vater oder berufstätige Mutter, vielleicht noch ein kleines Häuschen, da fällt auch in der knappen Freizeit noch die ein oder andere Arbeit an, bleibt nicht viel Zeit für das Üben, da muss man effizient und mit Köpfchen üben.

Jetzt werden viele sagen: Genau und wie geht das jetzt? Doch wer darauf in dem Artikel eine Antwort erwartet, den muss ich leider enttäuschen, die Arbeit kann nur ein guter Lehrer übernehmen. Jemand der genau analysieren kann, wo das Problem des Blechbläsers liegt und mit welchen Übungen dieses am besten behoben werden kann. Man kann sich mit den falschen Übungen nämlich durchaus auch festfahren und in einer Sackgasse landen.

Jetzt kommt sicher die Frage, woran erkenne ich einen guten Lehrer. Ich glaube nicht, dass man das ganz einfach beantworten kann, aber jemand der selber mit Problemen kämpfen musste, sich aus vielen Tiefs herausarbeiten musste, der kann als Lehrer eher weiterhelfen, als jemand dem alles zugeflogen ist.

Doch was zählt wirklich?

Egal wie viel oder wenig Zeit man hat um zu Üben, die meisten Blechbläser habe ich nicht am Üben selber oder an den falschen Übungen scheitern sehen, sondern zum größten Teil ist es die Psyche die den Blechbläser ausbremst.

Da wird sich auf ein Problem, das man glaubt zu haben, versteift und krampfhaft versucht dieses zu beheben. Da stimmt einfach die mentale Einstellung nicht, da wird zu viel Energie vergeudet um sich über den eben gespielten Fehler aufzuregen und darüber zu philosophieren. Von der dadurch entstehenden Spiral, die zu immer weiteren Fehlern und Problemen führt gar nicht zu sprechen.

Ich weiß, auch darauf kann ich jetzt hier in der kürze des Artikels keine ausgiebige Antwort geben, ich möchte es aber doch mit dem ein oder anderen kleinen Tipp versuchen.

Zuerst wäre für viele das Einfachste: Mal positiver an die Sache gehen...

...und ausreichend Geduld mitbringen. Nicht immer negativ beim Üben denken. Falsch ist: Jetzt übe ich schon zwei Wochen an dem Stück und es klappt immer noch nicht.

Richtig wäre: Obwohl ich erst zwei Wochen an dem Stück übe, ist es schon viel besser geworden. Es bringt viel mehr positive Energie sich über Kleinigkeiten zu freuen. Wie oft habe ich schon erstaunte Gesichter gesehen, wenn, nachdem mir Blechbläser etwas vorgespielt haben und mir dann gleich erzählt haben was alles schlecht war, ich ihnen erst mal erzählt habe was alles toll war. Veränderungen und Fortschritte beim Blechblasen dauern ihre Zeit und es ist wichtig zu realisieren: Wo habe ich angefangen und was habe ich schon erreicht/verbessert.

Nicht immer auf das Ziel blicken und jammern, wie weit es noch entfernt ist. Beim Üben seine Fortschritte bei Musikstücken oder der Blastechnik mal in kleinen Schritten zu sehen, sich daran freuen und weiter Motivation daraus zu ziehen.

Als ich vor einigen Jahren mal an einem Ironman teilgenommen habe, wie habe ich mich gefreut als ich die 3,8 km Schwimmstrecke hinter mir hatte und aus dem Wasser kam, obwohl ich ganz genau wusste, dass noch 180km Rad und 42,195km Laufen vor mir lagen. Im Sport ist trotz des noch so aufwendig betriebenen Trainings, der Kopf stets der entscheidende Faktor. Für das Blechblasen trifft das genauso zu.

Mein Tipp:

Sucht Euch unbedingt einen Lehrer. Stellt gemeinsam einen Übeplan zusammen, der auf die blechbläserischen Bedürfnisse und Ziele von Euch zugeschnitten ist damit Ihr in der vorhandenen Zeit die größtmöglichen Fortschritte erzielen könnt.

Jeder Lehrer sollte dementsprechend auch die kleinsten Fortschritte des Schülers erkennen um ihn so weiter motivieren zu können seine Zeile zu erreichen.

Veränderungen und Fortschritte beim Blechblasen dauern ihre Zeit und es ist wichtig zu realisieren: Wo habe ich angefangen und was habe ich schon erreicht/verbessert.

Denkt positiv und erfreut Euch an erreichten Zielen.

Euer

Joachim Kunze

 

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