Musik bildet- Musik sozialisiert

Es steht außer Frage, dass Menschen durch das Musizieren Lebensfreude und Lebensqualität vermittelt bekommen. Das sehen wir besonders an der ursprünglichen Freude von Kleinkindern beim Musizieren- unabhängig davon, ob diese behindert oder nicht behindert sind.

Musik überwindet Grenzen

Gerade das Miteinander auf der Basis der Musik von Jungen und Alten, Wohlhabenden oder Bedürftigen, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur oder Stand unterstreicht, was das Musizieren nicht nur für den Einzelnen, sondern für die Gesellschaft als Ganzes  bedeutet- nämlich Verständigung, Austausch und Kommunikation.

Mit gutem Grund hat der große Leonard Bernstein mit seinem Zitat das charakterliche Moment des Mitfühlens und der Empathie hervorgerufen als persönlichkeitsbildende Fähigkeit der Musik und der Kultur im weitesten Sinne:

“This will be our reply to violence:
to make music more intensely,
more beautifully,
more devotedly than ever before.”
― Leonard Bernstein

Schon im Mittelalter war die Musik an Schulen und Universitäten ein wichtiger Bestandteil der sog. „Freien Künste“ neben der Mathematik, der Geometrie oder der Arithmetik. Diesen bildungspolitischen Stellenwert hatte die Musik mit der Zeit bedauerlicherweise verloren und ist erst in diesen Tagen wieder im Begriff diesen zurück zu erobern.

Kulturelle Bildung als wesentliche Grundlage für den Lebenserfolg

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat es in einer aktuellen Umfrage bestätigt: 90% der Eltern gaben in der Studie „Eltern/Kinder/Kulturelle Bildung. Horizont 2017“ an, dass Aktivitäten wie Malen, Theater spielen, Musik machen, Tanzen oder Texte schreiben „wichtig bis sehr wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder“ sei-70% der Befragten halten Musik „auch als Vorbereitung für den späteren Berufsweg“ für wichtig.

Musik wirkt auf die Gesellschaft

Musikerinnen und Musiker, besonders Musiklehrkräfte tragen dazu bei Kindern, Erwachsenen und Senioren einen Zugang und damit eine Teilhabe an der Gesamtgesellschaft zu verschaffen durch das Musizieren.

Denn Musik bedeutet heutzutage nicht nur Vermittlung von technischem „Know-how“ auf Instrument oder Stimme, sondern ein Vorleben von einem kultivierten Miteinander auf der Basis von Respekt, zuhören, mitfühlen und nachdenken über das eigene Tun.

Üben als Selbstdisziplin

Spätestens beim Üben verliert das Wort „Disziplin“ seinen negativen Impetus und wird zum Synonym für „Nachdenken über sich selbst“ und „Kritikfähigkeit“- Disziplinen, die uns als Menschen in unserer Persönlichkeit und unserem Tun befördern und Kreativität generieren. Sich über sich selbst bewusst werden erzeugt in Folge „Selbstbewusstsein“.

Nicht umsonst wurden und werden freidenkende Künstler von Diktaturen nachgerade verfolgt aus Furcht davor, dass deren Mitmenschen beginnen über sich selbst und deren Situation nachzudenken und schließlich deren Unfreiheit erst wahrnehmen können.

Musik als ganzheitliche Bildung

Längst wurde bewiesen, dass das Musizieren die Entwicklung motorischer, sozialer, kognitiver und nicht zuletzt kreativ-musischer Kompetenzen fördert und auf den Menschen als Ganzheit wirkt. Spätestens an dieser Stelle sollte die Wertigkeit des Lehrberufes im musisch-pädagogischen Bereich steigen und an Wichtigkeit gewinnen.

Die Rolle der Musikpädagogik

Ja, wir können stolz darauf sein mit unserer Berufung zum Musizieren und der Vermittlung von musikalischem Tun einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten- auch wenn Länder und Bund diese Tätigkeit nur unzureichend in Form finanzieller Unterstützung fördern.

Die Anstrengungen von Musikindustrie, Musikpädagogik, Musiker/innen und Musikinstitutionen sind nicht genügend hervorzuheben- trotzdem vermögen sie nicht alleine einen Zugang zur Musik für alle Menschen von Anfang an zu ermöglichen. Beginnend von den Kitas bis hin zu den allgemein bildenden Schulen mit deren Musikklassen und Musik-AGs muss es zukünftig mehr Möglichkeiten geben zumindest ansatzweise mit der Musik und dem Musizieren in Kontakt kommen zu können.

Auswirkungen der Digitalisierung

Die Zeit vor dem Bildschirm nimmt bedenklich zu - ohne Übertreibung kann man sagen: wir konsumieren mehr als wir agieren. Wir fühlen uns scheinbar umringt von Menschen im Netz und sitzen doch alleine vor dem PC.

Bedeutet das Musizieren dann nicht gerade eine einmalige Gelegenheit, Kinder aus dem Alleinsein vor den Screens heraus zu holen und vorzuführen, dass das Miteinander in der Gemeinschaft noch viel mehr Freude bereiten kann? Was Hänschen nicht lernt und erkennt kann Hans noch lernen wollen?

Fazit

Musik lebt und belebt - resignieren wir nicht, sondern wecken wir die Freude am gemeinsamen Musizieren. Das erfordert Anstrengungen von allen Seiten - und besonders das Bewusstsein darüber, dass wir einen wertvollen Beitrag zu Kultur und Zukunft unserer Gesellschaft beitragen. Gehen wir vorbildhaft, seriös und kompetent mit unseren Schülern/innen, Kunden, Mitmusiker/innen und Mitmenschen um. Ihnen allen danke ich schon heute dafür.

Mit musikalischen Grüßen

Andreas Michel

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