Korrekte Haltung von Trompete & Horn

Einleitung

Das Musizieren eines Instrumentes ist eine Bereicherung für Geist und Körper- das sollte man wünschen und meinen. Doch die Zunahme von sog. Musikerkrankheiten mit fortschreitenden Jahren ist die andere Seite der Medaille des Musizierens.
Nahezu 20% aller Krankschreibungen und etwa 50 % aller Frühberentungen lassen sich auf Wirbelsäulenschäden zurückführen. Das temporäre Musizieren auf einem Instrument kann sich auf Dauer gesehen von einer physiologischen Asymmetrie zu einem pathologischen Befund entwickeln mit dem Ergebnis der Beendigung des Musizierens. Schuld sind neben unsachgemäßem Herangehens an die  Ausübung des Instrumentes- beispielswiese durch unprofessionellen Unterricht- bauartbedingte Haltungsschäden, die das Musizieren zur Qual machen und einen natürlichen "Flow" der Energien deutlich einschränken können. Aus diesem Grunde ist eine Bewusstmachung der Anomalien verbunden mit einer daraus resultierenden Korrektur möglichst bereits zu Anfang des Instrumentalunterrichts unabdingbar.
Durch die Jahre haben sich Instrumente nicht zwingend in Ihrer Form und Konstruktion am menschlichen Körper und dessen Ergonomie orientiert. Sie sind zumeist ein Kompromiss aus handwerklicher Machbarkeit, bedingt durch Material- und Fertigungseigenschaften und physikalischen Notwendigkeiten. Die Anpassung an die Ergonomie des Körpers und der Hände erfolgt oft erst im letzten Schritt der Konstruktion. Dabei liegt es "auf der Hand", dass der Instrumentenbau entscheidend dazu beiträgt, ob die Instrumente einen positiven oder negativen Effekt auf die Haltung des Musizierenden und dessen Wohlbefinden beim Spielen ausüben.

Habitus der lockeren Hand (die Alexandertechnik)

Setzen wir zunächst den Focus auf die menschliche Hand. Beobachten Sie selbst: lassen Sie Ihren Arm locker hängen und schütteln Sie Ihre Hand aus. Beobachten Sie nun die Form Ihrer lockeren Hand: die Finger sind leicht und natürlich gebogen- nicht gestreckt oder gekrallt. In leichtem Bogen formen sich die Finger vom Fingergelenk der Hand bis zu den Fingerspitzen. Das kleinste und letzte Fingergelenk ist nicht durchgebogen, sondern führt die Linie der leichten Wölbung bis in die Fingerspitzen fort.
Betrachten wir unsere Hand von oben (Zeige- bis kleiner Finger), so ergibt sich ebenfalls eine Steigung vom Zeigefinger zum Mittelfinger und ein Abschwung bis zum kleinen Finger.
Nun stehen aber die Ventile der Trompete genau gerade in einer Reihe, was aber kein Problem darstellt, da die Fingerspitzen ohnehin in einer Reihe stehen, wenn die Hand leicht gewölbt wird.
Betrachtet man die Hand von der Seite des Daumens, so steht der Daumen den längeren Fingern deutlich zurück.
Dieser Habitus der lockeren und unverkrampften Hand muss der bei der Betätigung des Instrumentes beibehalten werden.
Daraus ergibt sich folgender Grundsatz für den Bau und die Handhabung von Instrumenten: die Gegebenheiten des Instrumentes müssen sich an der Ergonomie von Körper und Hand orientieren. Nur so kann eine beschwerdefreie und ergonomisch einwandfreie Haltung beim Musizieren ermöglicht werden.
Falsch wäre eine Veränderung der natürlichen Haltung des Körpers auf Grund einer unergonomischen Bauart des Instrumentes.
Es sei hier nur am Rande hingewiesen auf die Erkenntnisse der sogenannten "Alexandertechnik" des Herrn Frederick Matthias Alexander, der u.a. die natürliche Haltung von Naturvölkern untersuchte und gewohnheitsmäßige Haltungsveränderungen besonders des Hals, Schulter- und Nackenbereiches erkannte und korrigierte.
Nun behaupten Sie möglicherweise, dass so mancher Virtuose sich zum Instrument hin bewegt und seine Haltung "ent- natürlicht". Denken wir z. B. an Glenn Gould, der auf einem kleinen Stuhl sitzende mit gekrümmtem Rücken seinen Kopf und  Augen auf Tastenhöhe hielt und trotzdem eine geniale Instrumentenbeherrschung erreichte. Hierzu eine Anmerkung: wie ein Genius unter Beibehaltung der Qualität seine Haltung verändert sei ihm selbst überlassen. Wir sprechen hier von Grundlagen, die bei Anfängern von vorne herein auf der Basis der natürlichen Beschaffenheit des Körpers erklärt und trainiert werden müssen.

Haltungssynchronisation an der Trompete

Betrachten wir nun die Haltungssynchronisation am Instrument Trompete für die rechte Hand.
Der Daumen: das Daumengelenk des Menschen unterscheidet sich von dem der Primaten, dass der Daumen gegenüber den längeren Fingern nach innen gestellt werden kann. Der Daumen der Primaten kann nicht zur Handinnenfläche geführt werden. Dies ermöglichte es dem Menschen, feine Werkzeuge und Arbeiten zu vollbringen, die zu mehr Präzision führten. Gegenstände konnten mit Daumen und Zeigefinger aufgenommen werden. Dieser evolutionäre Fortschritt ist nicht zu unterschätzen. Nehmen Sie einen Stift mit Ihren Fingern auf und Sie werden den Sachverhalt verstehen. Der Daumen steht genau gegenüber von Zeige- Mittel- und Ringfinger.Aus diesem Grunde sollte der Daumen beim Trompete spielen unterhalb des Mundrohres zwischen 1. und 2. Ventil liegen, um den drei Ventilfingern Gegendruck zu bieten und mehr "Fingerspitzengefühl" zu geben. Falsch wäre es, den Daumen vor die 1. Ventilbuchse zu legen.
So auch bei der Posaune, wenn Daumen und längere Finger den Zug locker und gegenüber stehend greifen und führen. Handgelenk gibt dabei flexibel nach bei zartem "dolce" und wird bei technischem "Staccato" im Gegensatz dazu umso stabiler geführt- gleich dem rechten Bogen- Handgelenkes beim Geigenspiel. Sehen wir uns nun die Trompete vom Mundstück aus an.
Die Ventile liegen in der Mitte, des Schallstückrohr links und das Mundrohr rechts der Ventile.
Ein großer Prozentsatz von Trompetenspielern setzt zu weit rechts an. Woher kommt das? Der Grund liegt in der Bauart der Trompete. Die Ventile werden mittig anvisiert und gelangen so in die Mitte unseres Seh- und Gesichtsfeldes. Das Mundstück aber sitzt auf dem rechts daneben liegendem Mundrohr. Eine Versetzung des Ansatzes nach rechts ist die logische Folge. Abhilfe könnte zumindest für Schülerinstrumente damit geschaffen werden, dass das Mundrohr in leichtem Bogen auf Höhe der Ventile geführt werden würde. Wir haben es auch hier mit einer bauartbedingten Haltungsanomalie zu tun.

Betrachtung der Haltung vom Horn

Das Absetzen des Schalltrichters auf dem rechten Oberschenkel als Folge von mangelnder Kraft bei jungen Hornschülern bedingt eine Verschiebung des Ansatzpunktes nach links.
Erst die korrekte Haltung des Schalltrichters neben dem Oberschenkel lässt auch einen mittigen Ansatzpunkt zu.

Schlusswort

Bedenken wir also stets die Schere zwischen den körperlichen Gegebenheiten und den bauartbedingten Voraussetzungen eines Instrumentes.
Warum nicht auch einmal eine linksgriffige Trompete bauen? Denn: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Durch Adaption an die besonderen Körperverhältnisse können sicherlich noch viel mehr Menschen (auch mit Behinderungen) ein Instrument ausüben.

Viel Spaß beim Anwenden der Tipps!